Asylproblematik in Genderkingen

22.12.2015

Es handelt sich um eine Entscheidung mit Weitsicht, so Genderkingens Bürgermeister Roland Dietz. Die Gemeinde stellt mit dem Gebäude an der ehemaligen Kartbahn bereits eine Unterkunft für bis zu 20 Asylbewerber. Dennoch wird die Kommune nun ein weiteres Objekt kaufen: ein leer stehendes Haus im Dorfzentrum, genauer gesagt „Am Schulweg“. Auch dort finden bis zu 20 Personen Platz. Insgesamt könnten in Genderkingen dann also 40 Flüchtlinge untergebracht werden, dabei müsste man gemäß des landkreisinternen Verteilungsschlüssels nur 18 aufnehmen.

„Die Quote von 1,5 Prozent der Einwohnerzahl ist aber ja aktuell schon praktisch nicht mehr haltbar“, sagt Dietz. Deshalb will Genderkingen vorausplanen. „Wenn der Zustrom in dieser Form anhält, stehen sonst bei uns nächstes Jahr vielleicht die Turnhalle oder Containerstandorte zur Diskussion“, erklärt der Rathauschef. Der Gemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, das Haus im Ortskern mit seinen fast 1400 Quadratmetern Grund und auch das Gelände an der Kartbahn (16500 Quadratmeter) beim Flugplatz zu kaufen.

Die Rücklagen in Höhe von über einer Million Euro werde man dafür – unter anderem im Hinblick auf das neue Baugebiet und die neue Kläranlage – aber nicht heranziehen. Stattdessen nehme man eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich auf. „Mit null Prozent“. Dieser Kredit soll über die Miete abbezahlt werden.

Der Vertrag mit dem Landratsamt für die beiden Objekte laufe jeweils über zehn Jahre. In der Gemeinderatsitzung am Dienstag, 15. Dezember wurde für den Erwerb der beiden Liegenschaften einen Nachtragshaushalt verabschiedet.

schulweg

Das Gebäude „Am Schulweg“ könnte nach den zehn Jahren als Asylbewerberheim beispielsweise für Betreutes Wohnen verwendet werden, bei der Kartbahn sei etwa der Rückbau zu einer landwirtschaftlichen Fläche denkbar. Ursprünglich hatte die Gemeinde dort ein Gewerbegebiet im Auge. Dies ist nach Auskunft des Landratsamts aber nicht möglich, da es bereits zwei Gewerbegebiete auf Genderkinger Flur gibt und sonst eine „Zersiedelung“ drohe. Außerdem befindet sich die Fläche im Überschwemmungsgebiet, was die Ansiedlung eines neuen Gewerbeareals ohnehin unmöglich mache.

Momentan ist die ehemalige Kartbahn mit Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan belegt. Die bisherigen Erfahrungen seien positiv, was vor allem auch an der „tollen Arbeit“ des Integrationsbeauftragen und des Helferkreises liege. „Ohne die Ehrenamtlichen würde es nicht gehen.

Im Objekt am Schulweg werden Familien mit Kindern einziehen. Eine entsprechende Zusage vom Landratsamt gebe es bereits, erklärt der Bürgermeister. „Das bietet sich auch an, da das Haus in unmittelbarer Nähe zu Kindergarten und Schule liegt.“ Bevor ein Einzug erfolgen kann, müssen aber erst noch einige Umbauten – überwiegend aus Gründen des Brandschutzes vorgenommen werden. Dietz rechnet, dass das Objekt im Frühjahr bezugsfertig sein könnte

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