Franz Anton Bieger
Dorfpfarrer und

begnadeter Komponist

* 27. November 1833 in Burgebrach

    (Kleinstadt nahe von Bamberg)

 

+ 23. April 1907 in Genderkingen

bieger grabstein  bieger 

 

Am Sonntag, 18. Mai 2008, führte die Mininger Liedertafel (Oberösterreich) in einem Kirchenkonzert die "Franziskusmesse" von Franz Xaver Bieger auf. Eine Delegation des "Bieger-Dorfes Genderkingen" mit dem neuen Bürgermeister Roland Dietz und dem Bieger-Experten Reiner Pfaffendorf war dabei. Herrn Pfaffendorf danken wir für den nachfolgenden Bericht und die Bilder.

Pfarrer Biegers Messe verbindet

Delegation aus Genderkingen reist nach Mining in Oberösterreich zur Aufführung

Kaum im Amt, schon hatte Bürgermeister Roland Dietz den ehrenvollen Auftrag, seine Heimatgemeinde als "Biegerdorf" im Ausland zu repräsentieren. Anlässlich einer eindrucksvollen Aufführung von Pfarrer Biegers "Franziskusmesse", op. 11, in einem Kirchenkonzert in der spätgotischen Pfarrkirche von Mining/Oberösterreich lud die Liedertafel Mining eine Delegation aus Genderkingen zum Besuch dieser Aufführung ein. Bürgermeister Roland Dietz, der zweite Bürgermeister Bernhard Schellenberger, Max Höringer - Chorregent des Kirchenchores Genderkingen - und eine stattliche Delegation des Kirchenchores Genderkingen nahmen diese Einladung gerne wahr.

Die Liedertafel Mining wurde im Jahre 1906 gegründet. Anlässlich der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen dieses Männerchores stellten die dortigen Vereinsverantwortlichen fest, dass als "Gründungsmesse" Biegers "Missa in honorem S. Francisci Seraphici" für Männerchor, Blechbläser und Orgel aufgeführt wurde und es erwuchs dort der Wunsch, diese Messe nach 100 Jahren wieder aufführen zu wollen.

Aufführung nach 102 Jahren

Da das noch in Mining vorhandene Notenmaterial unvollständig war, machte sich die Liedertafel Mining via Internet über Bieger kundig, erhielt schließlich aus Genderkingen das fehlende Notenmaterial und konnte nun, nach 102 Jahren, dieses Biegerwerk in Mining wieder zur Aufführung bringen. Die Liedertafel Mining ist ein großer, außerordentlich leistungsfähiger Männerchor, der erstaunlich viele junge Sänger in seinen Reihen hat.

In seinem Grußwort, unmittelbar im Anschluss an eine musikalisch und stilistisch hervorragend interpretierte konzertante Aufführung dieser Biegermesse, zeigte sich Bürgermeister Dietz so von der Leistungsfähigkeit des Chores und von der Herzlichkeit des Empfangs seiner Delegation angetan, dass er die Liedertafel Mining spontan zu einem Gegenbesuch in Genderkingen und zu einer Aufführung dieser Messe in der Kirche einlud, in der Pfarrer Bieger so lange Jahre gewirkt hatte.

Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit und stellte den zahlreichen Konzertbesuchern in der überfüllten Mininger Pfarrkirche den Dorfpfarrer Bieger als einen zu seiner Zeit bekannten und berühmten Komponisten geistlicher Musik des Cäcilianismus vor, dessen Werke weltweit bekannt waren, dessen Ruhm aber durch die Auswirkungen des zweiten Vatikanischen Konzils auf die Kirchenmusik in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts verblasste.

Große Freude

Da die Gemeinde Genderkingen sich dem musikalischen Erbe Biegers sehr verpflichtet wisse, sei, so meinte das Gemeindeoberhaupt, seine Freude umso größer, wenn er erfahre, dass irgendwo wieder eines der Werke Biegers aufgeführt werde.

 

biegerfahrt mining1

1.Bürgermeister Roland Dietz (Mitte), 2. Bürgermeister Bernhard Schellenberger (rechts daneben) und Reiner Pfaffendorf
(links daneben) nach dem Konzert im Kreise der Mininger Liedertafel.               Foto: Dietz

Besuch in Braunau - Konfrontation mit der jüngeren deutschen Geschichte

  • Für die Delegation aus Genderkingen hatte die Liedertafel Mining auch eine Führung in Braunau organisiert. Mining und Braunau liegen im Innviertel, gegenüber der niederbayerischen Stadt Simbach. Im Verlauf der Führung, die die wechselhafte Geschichte der Grenzstadt Braunau sehr plastisch darzustellen vermochte, wurde die Genderkinger Delegation mit dem Mahnstein vor dem Geburtshaus Adolf Hitlers auch sehr intensiv mit der jüngeren deutschen Geschichte konfrontiert.
  • Adolf Hitler wurde in Braunau geboren und lebte dort mit seinen Eltern, allerdings nur zweieinhalb Jahre. Dennoch ging Braunau als sog. "Hitlerstadt" in die unheilvolle Geschichte des Naziregimes ein. Der Mahnstein, ein Granitblock aus dem berüchtigten Konzentrationslager Mauthausen, wurde im Jahre 1989, anlässlich des 100. Geburtstags von Adolf Hitler, errichtet und wird als Beitrag gesehen zur aktiven Bewältigung eines unerwünschten zeitgeschichtlichen Erbes.

 

biegerfahrt mining2

Dem Mahnstein gegen Krieg und Faschismus vor dem Geburtshaus Adolf
Hitlers galt ein Abstecher bei der Fahrt der Genderkingener ins Innviertel.
                                Foto: Pfaffendorf

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Grundlage für den nachfolgenden Beitrag ist die Festschrift der Gemeinde Genderkingen vom April 2007 zum 100. Todestag
(Texte von Reiner Pfaffendorf; Wiedergabe erfolgt in verkürzter Form)

Leben und Werk von Franz Anton Bieger

Als am 26. April 1907 Pfarrer Franz Bieger in Genderkingen zu Grabe getragen wurde, war in seinem Nachruf die Rede von einem "edlen Priester" und "gottbegnadeten Musiker und Komponisten". Tatsächlich war Pfarrer Franz Bieger durch seine kompositorische Tätigkeit damals weit über die Grenzen seines Pfarrortes hinaus bekannt und galt im gesamten deutschsprachigen Raum als ein gerne gespielter Komponist geistlicher Werke. Selbst posthum wurden noch einige seiner Kompositionen verlegt.

Auch wenn nun, einhundert Jahre nach seinem Tod, sein musikalischer Ruhm durch den Einfluss und die Neubewertung der Kirchenmusik durch das 2.Vatikanische Konzil etwas verblasst ist, so findet sich doch gerade in der Konstitution über die hl. Liturgie in den Konzilsbeschlüssen, im "Sacrosanctum Concilium" von 1963, die Aussage, dass die "überlieferte Kirchenmusik" ein "Reichtum von unschätzbarem Wert" ist, den es "zu bewahren und zu mehren" gelte. In enger Zusammenarbeit mit der "Fürstbischöflichen Zentralbibliothek" in Regensburg sicherten deshalb Kirchenverwaltung und Gemeinde Genderkingen die von Bieger noch vorhandenen wertvollen Autographen und stellten seine sämtlichen bekannten Werke in die Bayerischen Musiksammlungen ein.
Pfarrer Bieger, der nebenbei auch als Orgelexperte in der Diözese tätig war und sich als Musiker und Dirigent im Orchesterverein Donauwörth sowie im Männergesangsverein "Harmonie" Donauwörth engagierte, arbeitete eng mit Ludwig Auer zusammen, versorgte die Pfarrei Schäfstall mit und hinterließ in der damals überaus armen Gemeinde Genderkingen in der Dorfentwicklung und im Sozialbereich bis heute nachwirkende Spuren. Durch sein soziales Engagement in den Armenstiftungen der Gemeinde und durch die Gründung der örtlichen Raiffeisenkasse, deren Vorsitzender er bis zu seinem Tode war, konnte er nachweislich vielen Familien Haus und Hof in dem damals von Überschwemmungen und Hunger heimgesuchten Dorf erhalten. Er war Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr, Initiator einer Post- und Telegraphenstelle im Dorf, Erneuerer des Kirchenchores, Lokalschulinspektor und auch heute noch erklingt in jedem Gottesdienst die von Bieger im Jahre 1869 aufgestellte Steinmeyer-Orgel.

Vita

27. November 1833 Geburt in Burgebrach, Vater: Michael Bieger, Sportels-Rentant (Finanzbeamter); Mutter: Margaretha Bieger
Geschwister: Barbara, *1832 +1841; Elisabeth, *1836; Elisabeth Carolina, *1837; Maria Magdalena, * 1841
14. Januar 1857 Priesterweihe in Bamberg
06. Februar 1857 Kaplan in Seßlach
August 1857 Stadtkaplan in Forchheim
 November 1857 Kaplan in Rodheim
01. August 1858 Kaplan in Scheßlitz
27. Januar 1859 Kaplan in Hausen, Pfarrverweser
01. Juli 1862 Kaplan in Ebrach
21. April 1864 Pfarrer in Haselbach (Kirchheim)
21. Januar 1869 Pfarrer in Genderkingen, Tausch der Pfarrstelle mit Franz Becherer
14. Januar 1907 50-jähriges Priesterjubiläum und Verleihung des "Ludwigordens"
23. April 1907 verstorben in Genderkingen
26. April 1907 Beerdigung in Genderkingen

Engagement als Pfarrer von Genderkingen
Mitversorgung der Gemeinde Schäfstall
Verwaltung der Pfarrpfründe
Protokollführung für die Kirchenverwaltung
Vorstand des Armenpflegschaftsrates
Mitverwalter der Gazaischen Wohltätigkeitsstiftung
Gründung eines Spar- und Darlehenkassenvereins (1877) und Vorstand bis zum Ableben
Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr (1877)
Initiator einer Poststelle in Genderkingen
Lokal-Schul-Inspektor

Musikalisches Engagement
Dirigent im Orchesterverein Donauwörth von der am 24. März 1891 beurkundeten Gründung bis 1906 (Bieger erwarb sich in dieser Tätigkeit außerordentlich große Verdienste)
Mitglied im Gesangverein "Harmonie" Donauwörth
Wirken als Komponist: 1908, im Jahr nach seinem Tod, wird er als namhafter Vertreter der süddeutschen Kirchenmusik bezeichnet. Aus seiner Feder flossen lateinische Messen, Vespern, Offertorien, Marienhymnen, Pange-Lingua-Vertonungen, ein lateinisches Requiem und einige andere Gebrauchsmusik zum katholischen Gottesdienst.
Die Verlage Böhm & Sohn in Augsburg, Seiling und Pustet in Regensburg veröffentlichten vieles davon. Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs ging jedoch das meiste verloren. Einige wenige wertvolle Autographen von Biegers Kirchenkompositionen überdauerten im Pfarrarchiv Genderkingen und wurden 2001 der Bischöflichen Zentralbibliothek in Regensburg zur Archivierung und Katalogisierung (Bayerische Musiksammlungen) übergeben. Jüngst entdeckte Dr. Ottmar Seuffert (Stadtarchiv Donauwörth) auch wieder Biegers Musik zu Ludwig Auers "Maria von Brabant", die bislang als verschollen galt.
Der Kirchenkomponist Bieger war "Caecilianer". Als Anhänger der caecilianischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts lehnte er sich eng an den Kirchenstil der Renaissancezeit an. Seine Tonschöpfungen wirken schlicht und natürlich empfunden. Sie sind melodisch, gut singbar, gehen ins Gehör und zeigen bei sicherer Satztechnik viel Frische und rhythmischen Schwung. Für Freunde der Kirchenmusik aus der Zeit der tridentinischen Liturgie sind die Werke Biegers noch heute ein außerordentlicher Hörgenuss.

Wichtige Ereignisse in der Genderkingener Zeit
Erste Aufgabe 1869: Bau der neuen Steinmeyer-Orgel
Zusammenarbeit mit Ludwig Auer, dem Stifter des Cassianeums in Donauwörth.

Würdigung nach dem Tod
Zu seiner Beerdigung wurden ihm zahlreiche Abschiedsreden gewidmet. In ihnen war die Rede von einem "genial veranlagten Geist" und von einem "gottbegnadetem Musiker". Man sprach von seinem Leben als von einer "Leidenskette", die es aber nicht vermochte, sein "edles Gemüt" und seinen "goldenen Humor" zu unterdrücken. Die Donauwörther Zeitung berichtete damals: "Dem Eindruck, dass hier ein Großer zur letzten Ruhe bestattet wurde, konnte sich niemand entziehen!"

Neubelebung
Die Gemeinde Genderkingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an Franz Anton Bieger zu bewahren. Zum 100. Todestag und zum 150-jährigen Jubiläum der Priesterweihe werden drei große Veranstaltungen ausgerichtet:

Gedenkkonzert "Maria von Brabant"am 14. April 2007, 20 Uhr, Pfarrkirche Genderkingen:
Historische Betrachtungen von Dr. Alfred Böswald
Musik von Franz Anton Bieger (1833 – 1907) zum Drama "Maria von Brabant" von Ludwig Auer
sowie weitere Kompositionen
Mitwirkende:
Gerhard Röhrl, Schongau, Orgel
Chor "Carmina" Genderkingen, Leitung Alfons Neumeier
Orchester des Welfen-Gymnasiums Schongau und der Musikschule "Pfaffenwinkel", Leitung Alexander Pfaffendorf

Dorfabend am Mittwoch, 18. April 2007, 20 Uhr, im Bürgerhaus Genderkingen
"Pfarrer Franz Bieger und Genderkingen im ausgehenden 19. Jahrhundert"
Mitwirkende:
Donau-Lech-Bläser Genderkingen, Leitung Christian Wiemer
Chor "Carmina" Genderkingen, Leitung Alfons Neumeier
Klavierbegleitung Alexander Pfaffendorf
Bürgermeister Johann Schilke
Kurzreferate von Pfarrer Paul Großmann, Gabriele Schwab, Reiner Pfaffendorf, Alexander Strobl, Rudolf Heinle, Sebastian Schellenberger und Eduard Steinle

Festgottesdienst am Sonntag, 22. April 2007, 19 Uhr, Pfarrkirche St. Peter und Paul, Genderkingen
Zur Aufführung gelangt die "Missa in honorem S. Francisci Seraphici für Männerchor, Orgel und Blechinstrumente von Franz Bieger, Op. 11

Mitwirkende:
H. H. Pfarrer Paul Großmann in Konzelebration mit Mitbrüdern aus dem Dekanat
Projekt-Männerchor aus Mitgliedern des Männergesangvereins Feldheim (gegr. 1961) und des Männergesangvereins "Frohsinn" Genderkingen (gegr. 1966)
Florian Luderschmid, Orgel
Blechbläser: Donau-Lech-Bläser Genderkingen
Einstudierung und künstlerische Leitung: Max Höringer

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